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Wie bereitet man sich aufs Eltern sein vor?

Waiblingen. Auf alles werde man heute vorbereitet, nur nicht aufs Elternsein, findet Pädagogin Anika Hempel. Dabei werfe gerade die neue Rolle viele aus der Bahn. In speziellen Kursen bereitet Hempel werdende Eltern auf diese Herausforderung vor – und warnt vor falschen Erwartungen an Eltern und Kind.

Die ersten Monate danach sind oftmals die schwersten. Wenn die Welt in eine Krise gerät, sich neu ordnet – und das Elternsein dann doch ganz anders ist als gedacht. „Viele Familien machen sich das Leben dann sehr schwer“, sagt Anika Hempel. Und oftmals geschehe dies schlicht aus Unwissenheit.

Die Verunsicherung vieler Eltern ist eindeutig ein Phänomen unserer Zeit, in der Familienstrukturen nicht mehr so eng und die Großeltern oftmals weit weg sind. Und auf der anderen Seite Kinder bewusster in die Welt gesetzt und als Projekt betrachtet werden. In vielen Fällen fehle daher heute ein Ruhepol, eine helfende Hand, um mit gesammelten Erfahrungen zur Seite zu stehen und Entwicklungen einzuordnen. Neben den Großmüttern könnten dies auch Hebammen leisten, doch da herrsche gerade großer Mangel. Die Diplom-Pädagogin und zweifache Mutter hat dies bei ihren eigenen Schwangerschaften so erlebt. Und festgestellt, dass Ärzte die Frauen oft viel zu wenig auf die neue Rolle vorbereiten – oder zumindest über Beratungsmöglichkeiten informieren. Deshalb hat sie „Familie hoch drei“ gegründet. Das Waiblinger Familienzentrum bietet seit drei Jahren Kurse, Vorträge und Beratung für werdende Eltern an. In ihrer Arbeit begegnet sie seither immer wieder denselben Problemen.

Schuld seien zumeist falsche Erwartungen: an das Kind, aber auch an das Elternsein. Hempel plädiert deshalb für mehr Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber werdenden Eltern. „Es ist eben nicht alles immer nur superschön.“ Kinder zu haben bedeute zunächst vor allem Verzicht, bedeute ganz klar, eigene Bedürfnisse zurückschrauben. Gerade in Sachen Partnerschaft gebe es nach der Geburt, wenn plötzlich kaum mehr Platz für Zweisamkeit vorhanden sei, häufig Konflikte. „Es bleibt nicht, wie es war“, sagt Hempel, „und das bedeutet eben eine Menge Arbeit.“

Erziehungsratgeber seien dabei aber nicht immer hilfreich. Im Gegenteil: Das könne unter Umständen sogar schaden. Vielmehr sollten Vater und Mutter den Blick uneingeschränkt auf ihr Kind richten, es intensiv beobachten, die Aufmerksamkeit auf den Rhythmus des Kindes legen. Dies bedeutet, Verhaltensweisen wahrzunehmen, Signale richtig zu interpretieren und darauf angemessen und prompt zu reagieren. Dazu muss man das eigene Kind zunächst einmal kennenlernen.

In den ersten drei Monaten ist es noch unreif, ist verwirrt. Im Grunde möchte es wieder zurück in den Bauch. Es braucht dann, was es im Bauch auch hatte: Enge, Geräusche und das Getragenwerden. Nach der Geburt muss es seinen eigenen Biorhythmus erst langsam entwickeln. Gerade der Schlaf muss sich zunächst einpendeln. In den ersten Monaten sollte das Kind daher nicht zu viel mit Eindrücken überhäuft werden. „Auch wenn es schläft, nimmt es die Eindrücke seiner Umgebung auf.“ Jedes Kind brauche deshalb einen festen Ort, an dem es schlafe. Erst dadurch entstünden Vertrautheit und Geborgenheit. Sollte es nicht sofort klappen mit dem Schlaf, rät sie, auch wenn es nicht leichtfalle, zu einer entspannten Grundhaltung. Eltern sollten sich bloß nicht verrückt machen lassen von ihrer Umgebung und vielmehr auf ihr Bauchgefühl vertrauen. Jedes Kind habe seinen eigenen Rhythmus, mit dem es die Welt entdeckt, Dinge erlernt, Dinge verarbeitet. „Das Kind“, so formuliert es die Pädagogin, „hat schon einen Plan.“ In den sollten die Eltern nicht unnötig eingreifen. Gut gemeinte Hilfestellungen seien sogar kontraproduktiv: „Jedes Mal, wenn ich eingreife, ändere ich die Intention des Kindes.“ Die Entscheidung darüber, wann es krabbelt, geht, sitzt, sollte beim Kind liegen.

Kleinkinder lernen die meisten Dinge ohnehin ganz nebenbei. Übertriebene Bespaßung sei daher nicht notwendig. „Grundsätzlich kann ich mit Kindern auch einfach mal nichts tun“, sagt Hempel. Den Kindern die Welt zu zeigen, in einfachen aber klaren Worten zu erklären, was man gerade tue, das sei für die Kleinen schließlich spannend. Den Alltag der Eltern mitzuerleben – von der Hausarbeit bis zum Zeitunglesen – sei oftmals schon aufregend genug.

Sich den Kopf zu zerbrechen über die pädagogisch wertvollsten Lernhilfen sei deshalb eigentlich unnötig. „Der Haushalt gibt schon genug her.“ Außerdem: „Wenn ein Kind von Anfang an intensiv bespielt wird, kann es keine eigene Fantasie entwickeln.“ Viel wichtiger sei es, dass sich Kinder sicher und frei in der Wohnung bewegen können, um die Welt selbstständig zu entdecken. Und das gelinge nur mit einer intensiven Bindung zu den Eltern als Basis einer gesunden Entwicklung, davon ist Hempel überzeugt. Dafür hat die Pädagogin auch einen ganz einfachen Ratschlag: mehr Sorgfalt und Zeit auf die kleinen Dinge des Alltags zu legen – etwa das oftmals als lästig empfundene Wickeln. Denn ein Kind wird in der Regel fünfmal am Tag gewickelt, das macht gut 1800 Begegnungen im Jahr. Wie könnte das die Beziehung zum Kind nicht nachhaltig beeinflussen?

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Tipps für den Alltag

Säuglinge nicht rücklings hinlegen, sondern seitlich! Die seitlichen Halsmuskeln sind bereits nach der Geburt entwickelt. So merkt das Kind mit der Schulter: Da kommt was! Und kann anschließend auf den Rücken gerollt werden.

Das Kind sanft auf die Seite drehen: Beim Wickeln das Kind nicht am Oberschenkel drücken, sondern an der Hand nehmen und die Schulter leicht in die gewünschte Richtung bewegen. So kann das Kind selbst das Tempo der Bewegung vorgeben.

Infos zu den Angeboten von „Familie hoch drei“ finden sich auf der Homepage: www.familiehochdrei.de

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